Leben

Evas Corona-Alltag

Evas Corona Alltag.

Was bisher geschah: Der Corona-Frühling und –Sommer zu viert in der Dreizimmerwohnung waren nicht so schlimm wie befürchtet. Aber wir wollten uns einfach nicht mehr stapeln. Was, wenn der nächste Lockdown kommt? Also haben wir kurzerhand eine größere Wohnung mit Garten gekauft. Und so sind wir nach der recht entspannten Corona-Zeit doch noch zu ultimativ viel Stress gekommen. Es ist unfassbar, wie viel Zeug man in 74 Quadratmeter und einen kleinen Keller stopfen kann. Wir haben uns nun einigermassen in der neuen Wohnung ausgebreitet und leben den neuen Corona-Alltag jetzt von hier aus.

Und so war unsere Woche 42/2020:

Montag: Mein zweiter Friseurtermin im Corona-Jahr: Beim ersten Mal hat die Friseurin mir noch erlaubt, am Ende kurz die Maske abzunehmen, damit ich meine Friese auch mal ohne begutachten kann. Diesmal war davon keine Rede mehr. Aber mal ehrlich: Die Haare müssen beim Ausflug in die Öffentlichkeit sowieso vor allem zur Maske passen. Zuhause isses eh egal: Ich bin Mutti und hab nicht mal Zeit, in den Spiegel zu schauen.

Am Nachmittag backe ich einen Kuchen mit Kind 1. Der Grund: Der Mann ist in letzter Zeit viel zu oft zum Bäcker gegangen, um Kuchenschnitten zu besorgen. Aber der Zwangs-Geiz im absoluten Corona-Ausnahmezustand hat für ungewöhnlich volle Geldbörsen gesorgt. Das will ich nicht sofort wieder aufgeben. Also backen wir jetzt mal selber. Das Resultat: Ein Marmorkuchen, der nur nach Schokolade aussieht und schmeckt wie ein Fass Butter in Schoko getunkt. Wär ich mal zum Bäcker gegangen. Das Kind ist immerhin höchst zufrieden.

Dienstag: Nach dem Kindergarten ist Kinderturnen. Es hatte im Frühjahr und Sommer eine sehr lange Corona-bedingte Pause gegeben. Und jetzt müssen die Kinder allein in die Halle. Eltern verboten. Ich genieße die Freiheit – und für das Kind ist sowieso irgendwie alles okay, was mit Corona begründet wird. Höchste Zeit, mir noch ein paar andere Vorteile auszudenken: „Schlafenszeit ab jetzt eine Stunde früher – wegen Corona! Mein Kind, ab sofort räumst du jeden Tag die Spülmaschine aus, das ist halt wegen Corona nötig. Und überhaupt: Bring mir mal ein Glas Wein, ich kann gerade nicht vom Sofa aufstehen. Wegen Corona.“ Mal sehen, wann sie Verdacht schöpft…

Mittwoch: Seit vergangener Woche haben wir mittwochvormittags immer Logopädie mit unserer lispelnden Vierjährigen. Heute Morgen fiel das aus. Die Logopädin ist erkältet. Ob sie ohne Corona die Arbeit trotzdem durchgezogen hätte? Welche Konsequenzen müssen wir alle jetzt aus herbstlichen Erkältungskrankheiten ziehen? Ich bin ratlos. Das Kind ist zum Glück gesund und geht in den Kindergarten. Am Nachmittag habe ich kinderfrei und fahre zu unserer alten Dreizimmerwohnung, aus der wir Ende August ausgezogen sind. Ende Oktober müssen wir sie übergeben. Und ich könnte mich laufend übergeben, wenn ich an die viele Arbeit denke, die ich damit noch habe.

Donnerstag: Ich frühstücke bei einer Freundin. Wir umarmen uns natürlich nicht zur Begrüssung und ich wasche mir ungefähr dreimal die Hände. Währenddessen nimmt mein Baby jedes Spielzeug in den Mund, das es im Wohnzimmer finden kann.

Freitag: Ich habe freitagvormittags jetzt immer Rückbildungsyoga. Ein echter Kurs in einem echten Raum mit echten Menschen um mich herum. Yeah! Aber ein bisschen mulmig ist mir das in dieser Woche schon. In der kommenden Woche wollte eigentlich eine ehemalige Arbeitskollegin zu mir kommen, um mir mit der alten Wohnung zu helfen. Aber sie lebt in Zürich. Und der Kanton steht momentan auf der Quarantäne Liste von Deutschland. Zum Glück habe ich keine Zeit, mich zu ärgern. Ich muss in die alte Wohnung…

Wochenende: Am Samstag habe ich einen Termin in Aarau. In der Schweiz! Ich arbeite jetzt wieder freiberuflich und besuche als Journalistin eine Chorprobe in Corona-Zeiten. 50 Personen sitzen um mich herum und singen. Immerhin haben sie Masken auf. Ob ich verrückt bin? Vielleicht. Am selben Tag sage ich drei private Termine ab, die ich für die nächsten zwei Wochen ausgemacht hatte. Es geht wieder los…

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