Leben

Meine DHL Beschwerde: Keine faire Zustellung möglich?

Unfaire Bedingungen bei der Post? Zeit für eine DHL Beschwerde.

Ich habe mir ein neues Portemonnaie geleistet. Ja, ich muss sagen, geleistet. Denn es war schweineteuer. Aber es ist ein Upcycling-Produkt, ein richtig cooles Teil aus Feuerwehrschlauch, nachhaltig, vegan sogar, ein Unikat, oh Freude. Besser geht’s doch kaum, oder? Zack, in den virtuellen Einkaufskorb rein, auf Bestellen klicken und vor Freude die Hände reiben: Wieder was Gutes für mich und die Welt getan. Herrlich! Doch es dauerte nicht lange, bis die Ernüchterung folgte.

Gutes Shopping, schlechte Zustellung

Da sitze ich am Computer und betreibe Gutmenschen-Online-Shopping und verschwende keinen Gedanken daran, wie das Produkt eigentlich zu mir nach Hause kommt! Dass ich letztlich doch darüber nachdachte, verdanke einem blöden Fehler meinerseits. Ich habe das Portemonnaie nämlich aus Versehen auf meinen Mädchennamen bestellt und nicht auf den Nachnamen, der jetzt an meiner Tür steht. Mist. Zum Glück habe ich es schnell nach dem Bestellvorgang gemerkt.

Also habe ich ein gelbes Schildchen gebastelt, auf das ich sehr gut lesbar den Namen geschrieben habe, der auf dem Paket stehen würde. Sofort habe ich das Schild mitten auf den Briefkasten geklebt. Unübersehbar, dachte ich mir und wartete auf die Sendung.

Den Tag der Zustellung kannte ich, weil er mir übers Internet mitgeteilt wurde. Sogar die ungefähre Uhrzeit kannte ich. Glücklicherweise war ich zu Hause. Ich konnte es kaum erwarten, mein neues Leben als Feuerwehrschlauch-Portemonnaie-Besitzerin zu feiern. Doch als ich im Browser noch einmal nachsah, wann das Paket kommen würde, stand dort, dass es 15 Minuten zuvor wieder mitgenommen wurde. Der Grund: Der Name stand nicht auf dem Klingelschild/Briefkasten. Ich glaub, es hackt!

Grummel, Wut, Zorn

Wutentbrannt bin ich rausgestürmt und habe unübersehbar den Namen am Briefkasten gesehen. Aber Schande über mich, an die Klingel, die sich nur wenige Zentimeter neben dem Briefkasten befindet, habe ich den Namen nicht geklebt. Ich dachte halt beim Wort Briefträger an Briefkasten. Grummel.

Zornig versuchte ich, bei DHL Beschwerde einzulegen und jemanden an die Strippe zu bekommen. Gar nicht so einfach, denn die Computerstimme am Telefon versucht alles, um das Gespräch so schnell wie möglich zu beenden und keinen Mitarbeiter aus Fleisch und Blut mit Kundenanfragen zu belästigen.

Als ich endlich eine Mitarbeiterin am anderen Ende der Leitung hatte, erklärte sie mir, dass viele Zusteller halt nur auf die Klingeln schauen. „Da kann ich jetzt auch nichts machen, Nein, ich kann Ihren Nachnamen nicht im System ändern, Ja genau, der Artikel wird jetzt wieder zurückgeschickt, Nein, das kann ich nicht aufhalten…“ Na toll! Schönen Dank!

Danach habe ich mich erst mal aufgeregt. So richtig! Kein Gutmenschen-Portemonnaie für mich! Und warum? Weil der Zusteller das gelbe Schild auf dem Briefkasten nicht sehen konnte? Oder wollte? Dieser Blödmann, dachte ich. Und habe mich noch mehr aufgeregt. Auch über vergangene Querelen mit der Post.

Es ist noch nicht so lange her, da klingelte ein DHL Bote bei mir. Ich war in der Küche beschäftigt, die Dunstabzugshaube lief, das Kind hing quengelnd an meinem Bein. War da nicht was? Die Klingel? Oder doch nicht? Ah, da klingelte es noch einmal. Ich sofort zur Tür, da bratzt mich der Zusteller an: „Das ist nicht das erste Mal, dass es bei Ihnen so lange dauert.“ Whoahhh, damals hatte ich mich darüber schon so unfassbar aufgeregt. Und jetzt kam alles wieder hoch.

Auf wen ich wirklich zornig sein sollte – Die DHL Beschwerde! 

Noch eine Begebenheit fiel mir ein. Ich habe mal einen Gerichtsprozess live beobachtet, in dem ein Zusteller angeklagt wurde, weil er eine Familie mit ihren Nutztieren (Rinder oder so) von der Straße gedrängt hatte. Und als mir diese Sache einfiel, wurde ich kurz ruhig, atmete drei Mal tief ein und wieder aus. Und wurde wieder zornig.

Aber diesmal nicht auf den DHL Zusteller, der es nicht geschafft hat, meinen Namen auf dem Briefkasten zu sehen, sondern auf DHL selbst. Und natürlich auf sämtliche andere Zustelldienste, deren Mitarbeiter sich ähnlich unfreundlich verhalten und sich keine Viertelsekunde zu viel Zeit für Ihre Arbeit nehmen. Wie denn auch? Sie können es ja nicht. Sie werden extrem schlecht bezahlt, haben viel zu wenig Zeit für ihre Arbeit, stehen unter ständigem Druck und sind auch körperlich oft am Anschlag. Eine kurze, aber grossartige Reportage, in der Zusteller von ihren furchtbaren Arbeitsbedingungen bei DHL erzählen, seht ihr übrigens hier.

Also habe ich meinen Zorn genutzt, um direkt eine DHL Beschwerde zu schreiben. In einer kurzen E-Mail habe ich gefordert, dass die Mitarbeiter gerecht entlohnt werden und dass sie genug Zeit für Ihre Arbeit bekommen. Ich bin mir sicher, dass sich dann automatisch etwas am unfreundlichen Ton ändern wird. Und wenn ich Glück habe, schaut dann auch mal jemand auf den Briefkasten. Absurderweise landete das Portemonnaie, als ich es mir wenig später an meinen richtigen Namen habe schicken lassen, übrigens direkt im Briefkasten. Es hat dort ohne Probleme hineingepasst.

Eine Antwort habe ich bisher noch nicht bekommen. Aber ich schätze mal, dass die DHL Beschwerde Abteilung wahrscheinlich auch keinen leichten Job hat. 

Und jetzt?

Ja und was heißt das alles jetzt für mich? Eigentlich war ich bei dieser Bestellung schon stolz darauf, dass ich nicht beim Goliath Amazon bestellt habe. Aber um die Auslieferung kommt man halt in keinem Fall herum. Sind meine guten Karmapunkte automatisch futsch, wenn ich mir ein nachhaltiges Produkt bestelle und es von einem unmenschlichen Unternehmen zu mir liefern lasse?

Antwort, wo bleibst du?

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2 Comments

  • Reply
    Hans Peter Schuster
    3. Januar 2018 at 18:36

    Kein Kommentar ! Manchmal glaube ich daß dort einige „Blöde“ arbeiten oder auch nicht!
    Seit 5 Wochen schicke ich ein Päckchen von Leverkusen nach Solingen. Heute kommt es zum 2. Mal als nicht zustellbar zurück. Bei Nachfrage bei DHL wird bei denen als Zustell-Hausnummer die 118 geführt, obwohl klar lesbar eine 13 auf dem Paket steht. Zudem befindet sich das Haus des Empfängers im Hinterhof. Ein DIN A3 großes Schild ist dort angebracht: Sendungen an XXXX bitte in der Fahrschule oder im Friseurgeschäft abgeben !!!
    Irgendjemand ist da super blöde und dämlich !!! In den 5 Wochen hätte ich das Päckchen dort zu Fuß vorbeibringen können…………..Jetzt liegt es wieder hier bei mir zuhause.

    • Reply
      evamell
      4. Januar 2018 at 08:25

      Das ist ja die absolute Realsatire 😀 Man könnte drüber lachen, wenn es nicht so ärgerlich wäre…

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