Leben

Lasst uns pupsen! Lasst es endlich raus!

Wenn jemand pupst, fängt es schnell an zu riechen.

Jeder muss pupsen

Von Pups-Spielen, Pups-Leugnern und Kunstfurzern. Hier hat Scham nichts verloren!

Neulich in der Regionalbahn: Eine Familie mit zwei Söhnen, sie sind schätzungsweise zehn Jahre alt, spielt miteinander, um sich die Zeit zu vertreiben. Jetzt ist folgendes Spiel dran: Jeder darf nacheinander ein Wort sagen und daraus wird dann ein Satz. Dabei kommt zum Beispiel so etwas raus: „Ausserdem bist du schrecklich gut, stinkst und pupst mich an.“

Der Junge, der das Wort pupsen eingebracht hat, kichert stolz. Der Vater verabschiedet sich aus der Spielerunde, weil pupsen kein richtiges Wort sei. „So spiele ich nicht mit“, sagt er und daddelt fortan auf seinem Smartphone herum.

Pupsen – ein schwaches Verb

Ich sitze der Familie gegenüber und habe mein sieben Monate altes Baby auf dem Schoß. Pup, knatter, peng – auf einmal furzt und pupst sie ungeniert ins Großraumabteil hinein. Ich bin jedes Mal fasziniert, wie laut sie pupsen kann. Und ich muss bei den pistolenhaft herausgestoßenen Winden ständig an die Brotpistole denken, von der mein Opa immer sprach, wenn er Fürze meinte. Mehr darüber könnt ihr hier lesen.

Pupsen, das sei jedem gesagt, der das Satzbildungsspiel einmal spielen möchte, steht übrigens tatsächlich im Duden– als schwaches Verb. Wie passend! Denn es ist eine Tätigkeit, die in unserer Gesellschaft viel zu oft als Ausdruck der körperlichen Schwäche gesehen wird. Da kann sich jemand nicht zusammenreißen, da ist einer nicht Herr über sich selbst.

Ich muss sagen, ich habe das Thema pupsen viele Jahre lang auch gemieden. Erst seit ich ein Baby habe, kann ich verstehen, dass manche Menschen voller Stolz und ohne Scham in die Welt hinein furzen. Ich selbst tue es zwar noch nicht offensiv und mit aller Selbstverständlichkeit, aber ich applaudiere meinem Baby quasi zu jedem Pups und jedem Schiss. Ich bin also die Mama, die ich nie sein wollte, aber das ist ein anderes Thema.

Knapp 2 Kilo Gase pro Tag

Zurück zum Pupsen. Wie entstehen die gasigen Stinkbomben überhaupt? Das hat was mit dem Essen und der Verdauung zu tun. In diesem Video des WDR ist das Phänomen in zwei Minuten und 20 Sekunden unterhaltsam erklärt! Was wären wir nur ohne unsere öffentlich-rechtlichen Fernsehsender?! Spoiler Alert: Jeder Mensch produziert jeden Tag um die 1,5 bis 2 Kilogramm überflüssige Gase!

Auch wenn logisch ist, dass wir alle mehrmals am Tag pupsen müssen, um nicht völlig aufzublähen, versuche ich feine Dame allzu oft, Fürze in der Öffentlichkeit zu unterdrücken oder möglichst unauffällig herauszulassen. Meine Pupse sind sozusagen der illegale Einwanderer, der unbemerkt aus meinem Körper flüchten will. Ich halte ihn nicht auf, aber ich helfe ihm beim heimlichen Entweichen, denn ich, sein Heimatland, würde bei einem offensichtlichen Fluchtversuch von der Gemeinschaft um mich herum verurteilt werden!

Woher ich das weiß? Ich tue ja selber nichts anderes! Bäh, Ähämm, Grrmmm. Ich habe eine ganze negative Geräuschliste auf Lager, wenn ich mal jemand anderen als mein Baby um mich herum pupsen höre.

Mein Anti-Pups Image

Mein Anti-Pups-Image geht sogar so weit, dass niemand zu merken scheint, dass ich es war, selbst wenn es völlig offensichtlich ist! Zwei Enthüllungen aus meiner geheimen Pups-Geschichtekiste: Einmal lag ich im Bett und konnte die Gase einfach nicht mehr aufhalten. Ich hoffte und betete, dass die Bettdecke die nicht zu leugnenden Gerüche unter sich verschließen würde.

Aber als mein jetziger Ehemann und damaliger Freund ins Zimmer kam, wurde mir schnell klar, dass das nicht der Fall war. Und doch hatte ich Glück: „Oh man, habe ich eben gefurzt, bevor ich rausgegangen bin und habe es nicht gemerkt? Tut mir voll leid“, sagte er kopfschüttelnd und machte ein Fenster auf. „Ist schon gut“, nahm ich gnädig seine Entschuldigung an, vergrub meinen roten Kopf im Kissen und presste die Arschbacken zusammen.

Ein paar Jahre später stand ich an irgendeinem Weihnachtsfeiertag in der Küche neben meinem Bruder, der auf einem Stuhl saß. Mein Hintern war also quasi auf seiner Nasenhöhe. Ich versuchte noch, den Furz zurück zu halten, aber keine Chance.

Diese Windchen machen einfach zu oft, was sie wollen! Es quietschte ein bisschen, zum Glück recht leise und ich überspielte es mit irgendeiner Anekdote, die ich viel zu laut erzählte. Am nächsten Tag sagte mein Bruder vor der versammelten Familie: „Mensch Eva, jetzt sind wir hier alle mehrere Tage beieinander und jeder von uns hat schon mindestens einmal gefurzt – außer dir.“ Ich lächelte und sagte: „Och naja, so bin ich halt.“

Sollte ich Kunstfurzerin werden?

Tja Leute, das Image macht’s! Aber nach diesem Text kann ich wahrscheinlich nicht mehr auf so viel Ignoranz gegenüber meinen Fürzen hoffen. Vielleicht sollte ich sogar in die Offensive gehen! So wie dieser Brite, der im Fernsehen Lieder furzt, wie ihr im YouTube Video sehen könnt. Das ist ein ganzes Genre! Kunstfurzer nennt man diese Leute! Warum nicht? Beim Singen kommt ja auch Luft aus einer Körperöffnung. Und gegebenenfalls Mundgeruch. Also entweder ist der Mensch rundum eklig oder rundum elegant. Sucht’s euch aus!

Lasst uns pupsen! Lasst es endlich raus!
5 (100%) 1 Stimmen

You Might Also Like

No Comments

    Leave a Reply

    *