Leben

Dank Hypnose: Ich habe keine Angst vor Hunden mehr

Johnny und ich: Einst hatte ich Angst vor ihm, aber jetzt habe ich meine Angst vor Hunden durch Hypnose überwunden.

Es ist vollbracht, liebe Leute! Ich habe keine Angst vor Hunden mehr. Hunde sind für mich nicht länger zähnefletschende, fiese und hinterhältige Bestien, die ständig auf der Suche nach frischem Menschenfleisch sind. Sie sind jetzt ganz normale Tiere für mich, so wie Katzen, Pferde oder Kaninchen – und sie sind mir sogar ein wenig sympathisch geworden. Wie ich meine völlig irrationale Angst losgeworden bin, die mich schon so lange begleitet, wie ich denken kann? Hypnose!

Ich habe euch ja vor ein paar Monaten schon von einem Versuch erzählt, meine Angst vor Hunden mit Hypnose zu bekämpfen. Das hat leider nicht so richtig gut geklappt. Nach jenem ersten Hypnose-Versuch habe ich mich gezwungen, auf Hunde zuzugehen, sie zu streicheln und so eine neue Beziehung zu ihnen zu bekommen. Das hat mich viel Überwindung gekostet, aber ich habe es eine Weile lang getan. Als ich damit aufgehört habe, war aber schnell alles wieder wie immer. Das heißt: Literweise Angstschweiß, sobald ich einen Hund gesehen habe.

Trotzdem bin ich sehr froh, dass ich es mit Hypnose versucht habe. Denn dadurch habe ich begonnen, mich mit Trance und Hypnose auseinanderzusetzen. Und jetzt kann ich euch von einem geradezu unfassbaren Erfolgserlebnis durch Hypnose berichten.

Auf einmal verschwommen die Konturen

Ich hatte vor kurzem die Gelegenheit, mich von einem Psychologen hypnotisieren zu lassen, der das schon seit ungefähr 30 Jahren macht und auch andere Ärzte und Psychologen in Hypnose ausbildet. Er hat mich in eine Trance geführt – ein Zustand, in dem ich gleichzeitig völlig entspannt und total konzentriert war, in dem ich von inneren Bildern mitgerissen wurde und in dem die Konturen der Gegenstände vor mir verschwommen sind.

Ich finde es immer noch unfassbar, dass ich meine neue entspannte Beziehung zu Hunden sogar Donald Trump zu verdanken habe, der sich in meine Trance verirrt hat. Und so lief die Hypnose ab:

Ich durfte zu einer dreistündigen Sitzung kommen. Im Vorfeld habe ich mich mit dem Psychologen per E-Mail ausgetauscht, ein paar Infos zu mir und meiner Angst gegeben, dazu, wie sie sich äußert und Vermutungen, woher sie kommen könnte.

Bei ihm in der Praxis begann die Hypnose tatsächlich erst in Minute 55. Ich weiß das so genau, weil ich die gesamte Sitzung auf Band aufgezeichnet und zu Hause noch einmal angehört habe.

Frauke, meine Zuversicht

Die Zeit davor nutzten wir zum Kennenlernen, und um eine angenehme und entspannte Atmosphäre zu schaffen. Ich bekam Infos zum Ablauf der Hypnose und so weiter. Und in Minute 55 begann nicht etwa die „richtige“ Hypnose, sondern eine Art Aufwärmung, eine Gefühlsmeditation mit Hypnoseelementen.

Bei der Hypnose geht es darum, dass das Unbewusste Neues lernt – in meinem Fall, dass ich gar keine überzogene Angst vor Hunden haben muss. Es geht also um eine Lernerfahrung. Deshalb haben wir Lernerfahrungen auch zum Thema der Aufwärmhypnose gemacht. Wir widmeten uns negativen Lernerfahrungen. Long story short: Ich hatte in der Schule Probleme mit Mathe und Physik.

Ich sollte mir das negative Gefühl des Scheiterns beim Lernen für diese Fächern vorstellen – und abwechselnd damit ein Bild, das die schlimme Situation verkörpern sollte. Ich habe einen Autounfall gewählt. Mein Abschlussbild der Zuversicht war meine Schulfreundin Frauke unter blauem Himmel. Sie ist immer wieder nach schlechten Arbeiten mit mir nach Hause gegangen und hat mir geholfen, meinen Eltern von der Misere zu berichten. Danke, Frauke 🙂

Ich muss sagen, dass ich es normalerweise extrem schwierig finde, mir vor meinem inneren Auge irgendwelche Bilder vorzustellen. Einen totalen Krampf, um genau zu sein. Denn im Raum sind doch schon überall Bilder vor mir. Und wenn ich die Augen schließe, kriselt und fiselt das Restlicht herum. Aber in diesem Fall war alles anders.

Der Psychologe sprach, sagte mir aber nicht, was genau ich mir vorstellen soll, sondern erklärte ein wenig, was wir machen, wie das funktioniert und was das Unbewusste damit zu tun hat. Zwischendurch sagte er immer wieder, dass ich mir das Gefühl vorstellen soll, dann das Bild des Autounfalls, dann wieder das Gefühl und so weiter.

Und nach kürzester Zeit begannen die Konturen der Gegenstände vor mir zu verschwimmen. Ich sah nur noch den Autounfall und durchlebte die ätzenden Gefühle vor und nach Mathearbeiten. Und die ganze Zeit rechts oben vor meinem inneren Auge wartete die Zuversicht, Frauke unter blauem Himmel, darauf, dass ich fertig damit sein würde, mich schlecht zu fühlen. Am Ende wurde ihr Bild größer und Frauke und ich verließen leichtfüßig die Schreckensszene.

Wow!

Zurück in der Realität berichtete ich dem Psychologen, was ich erlebt hatte. Das Verschwimmen der Konturen, so sagte er, sei ein echtes hypnotisches Phänomen gewesen. Dabei waren wir doch gerade erst in der Aufwärmphase.

Donald Trump und die Badeente

Und wenig später begannen wir mit der auf meine Hundeangst zugeschnittenen Hypnose. Ich sollte eine Metapher für meine Angst vor Hunden finden. Ziemlich schwierig. Zu offensichtlich durfte sie nicht sein, also kein zähnefletschender Hund. Zu abstrakt aber bitte auch nicht. Hmm. Lange habe ich überlegt, bis mir auf einmal die riesige Badeente des Künstlers Florentijn Hofman einfiel.

Die Ente plantschte vor einiger Zeit – als wäre es eine Selbstverständlichkeit – so groß wie ein mehrstöckiges Gebäude im Hafen vor Shanghai und anderen Gewässern vor sich hin und wurde dabei von Menschen bestaunt, die im Vergleich zur Ente klitzeklein waren. Hunde sind für mich ein bisschen wie kleine Könige, neben denen ich mich winzig fühle. Deshalb die Ente. Absurd, aber so ist es.

Dann brauchten wir ein zweites Bild. Etwas, worauf wir die Angst übertragen konnten, das wachsen sollte, während die Ente ganz klein werden sollte. Ich habe mich für Donald Trump entschieden. Warum nicht? Der ist mir sowieso schon unsympathisch.

Und dann ging es wieder los. Der Psychologe sprach und die Konturen verschwommen. Ich flog ins Weltall, blickte auf die Erde hinunter, sah unzählige Sterne um mich herum und ließ mir von meinem sechsjährigen Ich etwas tolles zeigen: Küken natürlich! Was großartigeres gibt es ja im ganzen Weltall nicht für mich.

Angela Merkel kümmert sich um den Rest

Dann schwamm ich durch Salzwasser, das meine Haut gekitzelt hat und ließ dabei schöne Szenen aus meinem Leben an mir vorbeiziehen: Warmer Sand am Strand von Santander in Spanien, Pokerspielen mit meinem älteren Bruder, und Ballspielen mit meinen beiden Brüdern als Kinder am Timmendorfer Strand. Zwischendurch sollte ich die Ente ganz klein machen, den Donald Trump ganz groß, Donald Trump ganz klein, die Ente wieder groß, hin und her, her und hin.

Am Schluss hat ein Hund mit meinen Brüdern und mir am Strand Ball gespielt und wir alle zusammen haben Donald Trump fortgejagt. Angela Merkel hat ihn in Empfang genommen und sich um den Rest gekümmert.

Und wieder Wow!

Wenn ich davon erzähle, kommt mir die Trance vor wie ein völlig verrückter Traum. Der Psychologe hingegen hat mir gesagt, ich habe Ressourcen aktiviert. Wenn ich positiven Aspekten wie meiner Freundin Frauke oder der Beziehung zu meinen Brüdern mehr Gewicht in meinem Leben gebe, verschwinden die Ängste nach und nach, sagte er. Klingt gut. Aber zu einfach? Kann man so eine richtig stark eintrainierte Angst vor Hunden überwinden?

Offenbar! Nach der Hypnosebehandlung habe ich mich erst mal wochenlang gewundert, dass mir keine Hunde mehr begegnen – bis ich auf einmal gemerkt habe, dass sie mir einfach nicht mehr auffallen! Ab und zu kam es dennoch vor, dass mir ein Hund ein klein wenig Angst gemacht hat. Da habe ich mir Donald Trump und die Ente vorgestellt. Die Ente wurde vor meinem inneren Auge klein und Donald Trump ganz groß – bis der Präsident der USA mit einer Badeente in einem Badebottich saß. Ein witziges Bild. Ich musste schmunzeln und hatte keine Angst mehr.

Wer hat nochmal was gesagt?

Ab und zu habe ich mir auch ein anderes Bild vorgestellt: Vor meinem inneren Auge habe ich den Hund vor mir mein Bein anstupsen lassen. So als wäre er ein flauschiges Küken, das mich nur ein wenig anpicken will. Ganz zärtlich. So, dass es ein bisschen kitzelt. Ach, was war ich stolz auf diesen Einfall. Bis ich mir nach ein paar Wochen die Hypnosesitzung auf Tonband noch einmal angehört habe. Da habe ich festgestellt, dass der Psychologe mir diesen Vorschlag gemacht hatte.

Spätestens dann wurde mir klar, wie stark das Unbewusste während der Trance arbeitet. Es hatte die Idee als meine abgespeichert, obwohl sie von außen gekommen war. Zwar habe ich während der Trance die ganze Zeit alles mitbekommen, kann mich an den gesamten Ablauf erinnern, aber ihr kennt es ja sicher auch, dass man sich nach einem Gespräch manchmal nicht mehr genau erinnert, wer was gesagt hat, von wem letztlich ein guter Gedanke kam.

Nach dieser Erfahrung muss ich sagen: Hypnose ist großartig und man kann damit extrem gut an sich arbeiten. Aber ich kann nur empfehlen, zu einer sehr gut ausgebildeten Fachperson zu gehen. Es geht schließlich um eure Psyche.

Auf www.hypnose.de findet ihr eine Auflistung von Fachgesellschaften im deutschsprachigen Raum. Auf den Seiten der Gesellschaften sind jeweils Ärzte und Psychologen aufgelistet, die Mitglieder sind. Da könnt ihr nach jemandem in eurer Nähe suchen.

Manche Hunde haben Angst vor Menschen

Übrigens war ich erst kürzlich bei meiner Kusine Annika, die einen großen schwarzen Hund hat. Bei meinem letzten Besuch dort konnte ich nicht mal in einem Raum mit der Bestie sein, so viel Angst hatte ich. Dieses Mal war mir der Hund von Anfang an sympathisch.

Meine Angst vor Hunden wollte ich in den Griff bekommen, damit ich sie nicht auf mein Töchterchen übertrage. Sie liebt Hunde und kreischt jedes Mal ganz aufgeregt, wenn sie einen sieht. Nach der erfolgreichen Hypnose war ich mit ihr in einem Café. Am Nachbartisch saß ein Mann mit Hund. Meine Kleine krabbelte hin, der Hund verzog sich unter den Stuhl. Und auf einmal sagte der Mann: „Mein Hund hat halt Angst vor Babys, weil die sich immer so unberechenbar bewegen.“ Hmm. Ob man da wohl was mit Hypnose machen kann?

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