Familie

Mein Zwerg, mein Stockholm Syndrom und ich

Das ist mein Baby, mein Zwerg, mein Meister.

Hilfe! Ich bin seit genau einem Jahr die Geisel eines verrückten Zwergs. Ich komme aus der Situation nicht mehr raus und es war total krass, wie ich da überhaupt reingekommen bin. Ich sag euch, ich hatte auf einmal die übelsten Schmerzen, stundenlang – und dann war dieses Wesen einfach da.

Was dann folgte, gilt gemeinhin als Folter, fast noch schlimmer als die grausamen Schmerzen von davor. Der Zwerg entzog mir systematisch meinen Schlaf. Mindestens zwei Nächte lang habe ich kaum ein Auge schließen können. Und als ich in der dritten Nacht doch mal für knappe drei Stunden die Lider schloss, weckte er mich plötzlich mit fiesestem Gebrüll.

Das ist wohl mein Zwerg

Ich japste nach Luft, blickte den Mini Mensch neben mir an, stopfte ihm etwas in den Mund und dachte ernsthaft – ja: ernsthaft – „Wer zur Hölle ist das und warum muss ich mich um dieses Wesen kümmern?“ Nach ein paar Minuten ist mir dann klar geworden, dass der Zwerg wohl meiner ist. Was sollte ich auch tun? Er hatte sich mich ausgesucht.

Also diene ich ihm seit einem Jahr. Koche, wasche und singe für dieses Wesen. Und was ist der Dank? Ja ja, ab und an ein Lächeln, das aber manchmal wie ein fieses Grinsen erscheint. Ich kann den Zwerg kaum verstehen, er nuschelt ziemlich. Aber manchmal ist es, als würde er lachen und mir zurufen: „Knie nieder, du Wurm und wisch mir den Arsch ab.“ Und ich knie nieder und wische.

Dann wieder ist es als würde er stammeln: Bring mir mein Getränk. Jetzt! Ich bringe, er nimmt einen Schluck und lässt die Flüssigkeit breit grinsend aus den Mundwinkeln und auf die frisch gewaschenen Klamotten laufen. Haha! Selten so gelacht!

Wenn ich ihn in seine frisch aufbereitete Badewanne stelle, pinkelt der Zwerg vorm Hineinsetzen gerne nochmal ins Wasser. Weil er kann! Und weil es lustig ist, wenn die Dienerin mit den Händen ins Pipi-Wasser muss. Haha!

Mein Zwerg, mein Stockholm Syndrom

Ich weiß kaum noch, wie das Leben ohne Zwerg war. Und oh mein Gott: Manchmal glaube ich sogar, ich will es gar nicht mehr wissen. Wenn der Zwerg sich an mich kuschelt, auf mich zu krabbelt oder neben mir einschläft, dann weiß ich: Ich habe das Stockholm Syndrom. Es ist wahr: Ich liebe meinen Zwerg! Und ich schäme mich nicht dafür. Deshalb sage ich es ganz offiziell und ohne zu zögern: Happy Birthday, kleiner Zwerg. Wie schön, dass du geboren bist!

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