Familie

Die Diastase Story: Mein Bauch 16 Monate nach der Entbindung

Der Bauch nach der Geburt: Es ist harte Arbeit, eine Diastase zurückzubilden.

Ihr wisst ja bereits, wie wichtig mir gesundes Essen ist. Stylisch soll es auch noch sein und auf mein Superfood will ich nicht mehr verzichten. Bisher habe ich euch aber noch nichts über mein sportliches Ich erzählt. Bevor meine Tochter geboren wurde, bin ich jahrelang viermal pro Woche ins Fitnessstudio gegangen. Schnittenhüpfen, Pumpen in der Testosteron-Ecke, Kurse beim Drill-Seargent – ich hab alles ausprobiert. Ich habe mich stark gefühlt, unverwüstlich, fit bis in den großen Zeh. Und dann wurde ich schwanger.

No problemo. Dachte ich jedenfalls, und trainierte weiter, solange es eben ging. Und dann kam die Geburt. Schnickschnack, dachte ich. Kurz mal zum Rückbildungskurs gehen und zack, schon könnte ich weitermachen wie vorher. So mein Plan. Nun ja. Meine Tochter ist mittlerweile 16 ½ Monate alt. Und endlich bin ich rückgebildet. Was für ein Wort! Und so lange wie das alles gedauert hat, kann ich mich auch echt degeneriert fühlen.

Was bei einer Diastase passiert

Was ihr über die ganze Sache unbedingt wissen müssen: Durch den wachsenden Bauch in der Schwangerschaft bewegen sich die geraden Bauchmuskeln auseinander, um Platz für die Babywampe zu machen. Sobald der Bauch weg ist, klafft eine Lücke rund um den Bauchnabel. Die geraden Bauchmuskeln hängen irgendwo unmotiviert an den Seiten und man darf sie auf keinen Fall belasten, damit sie nicht in ihrer Position verharren. Diagnose: Diastase. Das Lösung: Die Lücke soll sich wieder schließen, die geraden Bauchmuskeln sollen wieder aneinander rücken.

Warum das überhaupt wichtig ist? Nun ja. Die Bauchmuskeln sind dafür da, die Gedärme an Ort und Stelle zu halten. Wenn sie in einer ungünstigen Position bleiben, wabbelt alles nach vorne, was nicht niet- und nagelfest ist. Das heißt auf schlau Diastase, genau gesagt: Rektusdiastase, und führt dazu, dass man nach einem ausgedehnten Mittagessen schnell wieder schwanger aussieht.

Die Bauchmuskeln fehlen halt, um alles an Ort und Stelle zu halten. Das ist zum einen ein Problem, weil der Körper den Halt der Bauchmuskeln braucht. Zum anderen sieht das einfach scheiße aus. So ist das! Nach dem Essen wirkt man schwanger und ansonsten sieht der Bauch durch die Lücke aus wie eine Hügellandschaft.

Ich also dachte mir vor der Geburt meiner Tochter: Ich bin fit, kein Problem, ein paar Wochen nach der Geburt ist alles wie immer. Tja. Pustekuchen. Im Rückbildungskurs war ich der Oberstreber und trotzdem bewegten sich die Muskeln keinen Millimeter aufeinander zu. Während andere Frauen, die kaum jemals Sport treiben, schon wieder faulenzten und Sahnetorte aßen, verzweifelte ich immer noch auf der Gymnastikmatte.

Und dann packte ich meine Bauchmuskeln mit den bloßen Händen

Aber es ist ja auch verrückt! Durch Atemübungen und sanftes Training der seitlichen Bauchmuskeln sollte ich meine durch starkes Training verwöhnten geraden Bauchmuskeln dazu bringen, sich zu bewegen?
Am Ende ließ ich mir Physiotherapie verschreiben. Dort lernte ich, meine Bauchmuskeln mit den Händen zu packen und aneinander zu führen. Sie hatten keine Chance mehr, die faulen Säcke! Rutscht rüber, ihr Muskeln! Whoaahh. Am Anfang war das echt ein ekliges Gefühl. Aber jetzt? Ich sach mal: normal. Und endlich wurde die Sache auch mal etwas fordernder.

Schlussendlich habe ich trotzdem drei Rezepte Physiotherapie gebraucht, um meine Diastase hinter mir zu lassen. Aber seit dieser Woche kann ich endlich sagen: Sporty Spice ist zurück!

Ich bin natürlich sofort zum Bodyforming Kurs ins Fitnessstudio gegangen und gleich erst mal bei den Bauchübungen zusammengebrochen. Ich habe gezittert, meine Muskeln haben pulsiert. Wollten sie mir etwa mit Morsezeichen eine Botschaft zukommen lassen? Habe ich recht gehört? „8 Wiederholungen noch! Und 8! Und die letzten 8! Und jetzt wirklich nur noch 8!“ Wie ihr wollt, ihr bekloppten Bauchmuskeln.

Wer trainiert, ist selber schuld

Irgendwo im Hinterkopf schwingen noch die Worte meiner Physiotherapeutin. Sie hatte vermutet, dass meine Diastase so lange blieb, gerade weil ich gut trainiert war. Ihrer Meinung nach brauchten meine ans Training gewöhnten Muskeln mehr forderndes Training als die Bauchmuskeln von eher untrainierten Frauen. Mein fitter Körper soll also selbst schuld gewesen sein an unerträglich langer Unfitness? Aaaargh, Schicksal. Da meint man es doch einfach nur gut mit sich und dann sowas. Aber jetzt genug der Jammerei. 8 Wiederholungen noch! Und die letzten 8! Und nur noch 8! Und…

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