Familie

Die schwer erziehbare Mama und ihre geduldige zweijährige Tochter

Mein Kind ist so ordentlich! Woher sie das wohl hat?

Es gibt Geschichten über mich, die lassen mich erschaudern. Meine Tante hat zum Beispiel mal erzählt, dass ich im Dezember 1986 unbedingt eine dünne Sommerhose anziehen wollte, als sie mit mir meine Mutter und meinen gerade geborenen Bruder im Krankenhaus besuchen wollte. Mein erstes Wort war anscheinend „Nein“ und als ich viele Jahre später – noch kinderlos – meinem Vater mal sagte: „Stell dir vor, man hat ein Kind, das man nervig findet“, da blickte er mich ernst an und entgegnete: „Man liebt auch seine nervigen Kinder!“

Ich hatte also allen Grund, meinem eigenen Nachwuchs mit einer gesunden Skepsis zu begegnen. Wie die Kleine wohl drauf sein würde? Bescheiden wie ich bin, wünschte ich mir, dass sie nicht völlig nach mir kommen sollte. Heute ist der Tag ihrer Geburt genau zwei Jahre her. Rückgaberecht? Garantiezeit? Gab es nicht und brauchte ich nicht! Das Schicksal hat mir ein Kind geschenkt, das versucht, was meine Eltern längst aufgegeben haben: Mich zu erziehen.

Drei Beispiele aus unserem Alltag:

Aufräumen:

Das mit der Ordnung ist bei mir ja so eine Sache. Klar, ich habe mich stets bemüht, naja, mindestens manchmal, okay, selten. Aber immerhin, ich bin dran! Wenn ich aber in der Küche vor mich hin wurschtel und dafür Besteck, Teller, Vorräte und so weiter aus den diversen Schränken brauche, habe ich einfach nie Lust, die Schränke wieder zu schließen. Ich laufe dann halt Slalom um geöffnete Schubladen, mache eine Kniebeuge, um offene Schranktüren in Kopfhöhe kunstvoll zu umgehen und springe wie im Hürdenlauf über die heruntergeklappte Spülmaschinentür. Wäre ja auch Energieverschwendung, ständig alles zu öffnen und zu schließen und zu öffnen und so weiter, oder?

Meine Tochter sieht das mit ihrer zweijährigen Lebenserfahrung anders. Während ich so am rumwurschteln bin, watschelt sie in die Küche, blickt skeptisch in die Runde und dann geht’s los: Zack, zack, zack, zu, zu, zu. Sie lächelt schelmisch und ich habe ungewohnt viel Platz um mich herum. Auch nicht schlecht!

Sauberkeit:

Rein in die Wohnung, Schuhe aus – so muss es sein, oder? Aber manchmal ist das doch viel zu anstrengend, oder? Vor allem, wenn man sowieso nur kurz bleiben will. Und wenn ich die Schuhe dann doch ausziehe, dann kann ich sie ja auch in den Flur pfeffern, wenn ich gleich wieder los will, oder? Nein!, würde meine Tochter sagen. Kürzlich waren wir mal wieder auf Tour, um etwas abzuholen, das wir bei Ebay Kleinanzeigen gefunden haben. „Sollen wir die Schuhe ausziehen?“, habe ich, höflich wie ich bin, im Hauseingang gefragt. „Nein“, war die entspannte Antwort der Hausherrin. Ich also rein. Mein Töchterchen stand etwas verdattert im Eingang. „Na komm, du kannst die Schuhe anlassen“, habe ich im Weitergehen gesagt.

Sie folgte mir ein paar Schritte, drehte dann aber doch um. Im Augenwinkel sah ich, wie sie sich die Schuhe im Eingangsbereich auszog und erst dann mit erleichtertem Blick ins Wohnzimmer trat. Nach ein paar Minuten war der Einkauf beschlossene Sache und wir konnten wieder los. „Wo sind denn deine Schuhe?“, fragte ich mein Kind und blickte verwirrt in den Flur. „Da!“, rief sie und zeigte lachend ins Schuhregal. Fein säuberlich hatte sie ihre Sandalen eingereiht. Die Hausbewohner staunten nicht schlecht und wären jederzeit zu einem Kindertausch bereit gewesen.

Gesundheit:

Ich versuche ja, meinem Kind gesunde Lebensmittel schmackhaft zu machen, ohne Ungesundes rigoros zu verbieten. Auch bei mir selbst klappt diese Strategie ganz gut. Ich habe schließlich ebenfalls manchmal Lust auf etwas Süßes. Ich muss zugeben, dass ich auf die Frage „Darf Ihr Kind ein Stück Traubenzucker?“ in einem Geschäft schon mit „Ja, gerne“ geantwortet habe, mir den Traubenzucker habe aushändigen lassen und ihn dann – wieder draußen – selber gegessen habe. Alles zum Wohl des Kindes natürlich, denn die Milchzähnchen müssen vor Zucker geschützt werden.

Aber meiner Tochter ist Süßkram sowieso nicht so wichtig. Als ich ihr letztes Jahr ihren allerersten Geburtstagskuchen mit viel Liebe und Zucker gebacken habe, wollte sie ihn nicht mal probieren. Stattdessen mampfte sie Wassermelone. Ich denke, sobald sie zwei sinnvolle aufeinander folgende Sätze formulieren kann, sollte ich ihr helfen, ihren ersten Blog über eine gesunde Lebensweise einzurichten. Wir können alle viel noch von ihr lernen!

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