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Urlaubstipps – lieber Google oder dem Zufallsgenerator von Max Hawkins vertrauen?

Max Hawkins sucht keine Urlaubstipps auf Google

Ich komme gerade frisch aus dem Urlaub! Ja echt, ich war weg von zu Hause, um mich zu erholen (soweit das mit einem knapp zweijährigen Kind geht) – und das, obwohl wir alle wissen, wie sehr ich Urlaubsreisen verabscheue. Was soll ich sagen? Es war herrlich! Einfach wunderbar. Mein Mann, meine Tochter und ich haben jede Menge unternommen. Und das, obwohl wir vor der Reise sowas von gar keine Zeit hatten, uns irgendwelche Aktivitäten zu überlegen, Urlaubstipps von Freunden zu sammeln oder uns gar ins Reiseziel einzuarbeiten. Was wäre das auch für ein Stress gewesen. Und schließlich sollte Urlaub doch das Gegenteil von Arbeit sein oder etwa nicht?

Urlaubstipps von Google

Jedenfalls haben wir allerlei schöne Dinge im schönen Österreicher Ötztal unternommen. Wir haben Berge erklommen, Wildpferde gestreichelt, Schwimmbäder besucht, wir haben in Almen rumgesessen und sind durch Museen gestreift. Unser bester Berater bei all diesen Unternehmungen: Google! Keine Tour, die nicht schon tausendfach im Internet beschrieben und bewertet wurde; keine Alm, die im World Wide Web unentdeckt geblieben ist; einfach jede Menge Urlaubstipps, die uns aus der schönen neuen digitalen Welt entgegengesprungen sind.

Danke, ihr Google-Algorithmen, dass ihr mein Leben so viel bunter macht, mir meinen Weg weist und meine persönliche Filterblase noch stabiler macht. Es ist herrlich, einfach wunderbar, findet ihr nicht auch?

Ein Grinch namens Max Hawkins

Ja, wir waren rundum glücklich. Aber logisch, dass es irgendwo auf der Welt irgendeinen Grinch geben muss, der dieses selige Google-Familienglück vielleicht nicht zerstören, aber mindestens auf die Probe stellen will. Sein Name: Max Hawkins. Sein Beruf: Künstler und Programmierer. Seine Mission: Algorithmen von Google und Co., die unser aller schöne Filterblasen bauen, in Frage stellen.

Mein Mann hatte in einem Podcast von diesem eigenwilligen Menschen gehört, der genau genommen gar nicht so eigenwillig ist. Denn er lässt sein Leben komplett von seinem selbst programmierten Algorithmus fremdbestimmen, der keine Rücksicht auf seine Vorlieben nimmt, sondern den gnadenlosen Zufall in sein Leben bringt.

Das heißt im Klartext: Seit rund zweieinhalb Jahren führt er aus, was ihm sein selbst entwickelter Algorithmus aufträgt. Die einzige Bedingung: Es darf sein Leben nicht bedrohen oder seinen ethischen Prinzipien stark widersprechen. Einen großen Teil dieser Zeit hat Max Hawkins jeden Monat seinen Wohnort gewechselt. Er ist quer über den Globus gereist und hat für ihn so exotische Länder wie Deutschland für kurze Zeit kennengelernt, nur weil sein Computer diesen Fleck auf der Landkarte ausgewählt hat.

Um die Welt ohne Google

Im Moment macht er jedoch eine Pause von dieser Zwangsreiserei, weil es ihm zunehmend schwer fiel, sich auf seine Arbeit, das Programmieren, zu konzentrieren, und auch, um Geld zu sparen. Wäre ja auch zu schön um wahr zu sein, wenn der Computer gleich auch noch genügend Geld in der passenden Währung ausdrucken könnte.

In dem Podcast, den mein Mann gehört hat, war der Interviewer extremst begeistert von Max Hawkins Lebensstil. Ich jedoch war erst einmal vor allem skeptisch. Klar, ich habe meine Urlaubstipps vor allem von der Suchmaschine Google bekommen. Aber immerhin habe ich selbst ausgewählt, welche der vorgeschlagenen Wandertouren ich unternehmen wollte, welches Restaurant wir besuchen und welches Schwimmbad das für uns geeignetste ist. Ihr seht, ich überlasse die Vorentscheidung über Urlaubstipps meinem wichtigen Partner Google, meine Familie muss anschließend mit meiner Auswahl leben 😉

Aber Max Hawkins, der keine Lust hat, sein Leben von einem Algorithmus bestimmen zu lassen, tut das doch viel mehr als wir alle zusammen, indem er jede noch so absurde Auswahl seines Zufallsgenerators akzeptiert, oder?

Max Hawkins antwortet mir

Ich konnte nicht anders und habe dem Mann ohne selbst gewählte Eigenschaften ein paar Fragen per E-Mail gestellt, die er mir gerne beantwortet hat. Das Fazit: Er ist überzeugt, dass er gerade deshalb an Autonomie gewinnt, weil er einen Teil seiner Autonomie an den Computer abgibt. Denn durch das Befolgen der Vorschläge seines Zufallsgenerators sei es quasi eine Sache der Unmöglichkeit für ihn, sich in starren Routinen oder gar Filterblasen aufzuhalten, die ja ständig kritisiert werden.

Im Moment entscheidet der Computer übrigens Max Hawkins nach eigener Aussage „nur“, wo er essen gehen soll, wer ihm die Haare schneidet, welches Outfit er tragen soll, aber auch solche Details wie seine Gesprächspartner – und bald sogar, welches zufällig ausgewählte Tattoo seinen Körper schmücken soll. Puh, sehr krass. Aber als wäre das nicht genug, wünscht sich Max Hawkins sogar, dass sein Algorithmus auch sehr langfristige Entscheidungen für ihn trifft. Sowas wie: Werde Klempner und ziehe für fünf Jahre in diese oder jene Stadt.

Wer jetzt irre genug ist, diesen Zufallsgenerator unbedingt auch nutzen zu wollen: Sorry, Leute, das ist Max Hawkins ganz persönliches Ding. Er will nämlich im Gegensatz zu Google und Co. mit seiner Programmierarbeit nicht dafür verantwortlich sein, das Leben anderer Menschen zu beeinflussen.

Mutti hat den Veto-Button

Aber gibt es denn gar keinen Reset-Knopf für ihn? Keinen Weg raus? Naja, ein bisschen schon. Egal was der Computer entscheidet, so hat es Max Hawkins mir geschrieben, seine Mutter darf ihr Veto einlegen. Und Weihnachten verbringt er sowieso immer mit ihr. Mutti ist also der wahre Algorithmus seines Lebens. Ende gut, alles gut!

Ich habe mein diesjähriges Urlaubsziel übrigens auch quasi von Mutti beeinflussen lassen. Meine Eltern haben nur ein paar Kilometer von unserem Ziel entfernt ihren Urlaub geplant. So konnten wir das zweijährige Kind, das ähnlich wie ein Zufallsgenerator über gute oder schlechte Nächte, miese oder grandiose Laune und vieles mehr entscheidet, mal ab und zu in ihre Hände geben. Und wir? Wir hatten dann einen Tag mit wenigen Zufällen, aber mit viel Herumgegammel und Erholung! Zufall? Ich glaube nicht.

Urlaubstipps – lieber Google oder dem Zufallsgenerator von Max Hawkins vertrauen?
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