Umwelt

Upcycling Mode: mein Interview mit Tetzlove-Designerin Gerda

Upcycling Mode mit Style: Designs von Gerda Tetzlove

Juhui, Leute! ich durfte einer echten Designerin Fragen stellen. Und sie hat sogar geantwortet. Heute geht es um Upcycling Mode, um Klamotten, die ein zweites Leben bekommen und eine super Methode, gleichzeitig einen aufgeräumten Schrank und ein reines Gewissen zu bekommen.

Aber jetzt wird’s erst mal unangenehm. Keine Sorge. Für mich. Nicht für euch. Beziehungsweise für euch nur dann, wenn ihr euch ein klein wenig mit mir identifizieren wollt oder euch aus Gründen der Wahrheit sogar dazu gezwungen seht. Es geht um meinen Kleiderschrank. Auch Messie-Paradies genannt. Grabstätte von allerlei hochmotiviert eingekauften Urlaubsschnäppchen. Ablageort von Lieblingsteilen vergangener Jahrzehnte. Ehrlich gesagt ist sogar Zeug aus dem letzten Jahrtausend dabei.

Mein adipöser Kleiderschrank

Nun gut. Mein Schrank hat sich überfressen. Ja, ich weiß, ich habe ihn selbst vollgestopft. Zur Strafe habe ich mir seit einigen Monaten Kleiderkaufverbot erteilt. Das klappt sogar gut. Aber es muss dennoch dringend ausgemistet werden. Aber wohin nur damit?

Ebay Kleinanzeigen dauert mir zu lange, auch bei Kleiderkreisel gibt es keine Garantie, dass sofort jemand Lust auf eine Jeans aus dem Jahr 1999 hat. Auf Flohmärkten rumstehen, nur damit ich am Ende eines langen Tages alles wieder mit nach Hause nehmen darf? Och nö.

Aber zum Glück gibt es eine Lösung, mit der ich meinen Schrank ökologisch sinnvoll ausmisten kann, gleichzeitig etwas Gutes für die Umwelt und gegen den Überkonsum tue – und eine in Deutschland selbst nähende Designerin unterstütze.

Upcycling Mode: Die Lösung!

Ich werde ein Paket für Gerda packen. Ja genau, für Gerda und ihr Modelabel Tetzlove. Die macht so richtig cooles Zeug, das manchmal auch ziemlich crazy aussieht, aber immer so, dass ich sofort denke: Will haben! Und das Beste: Sie fertigt Upcycling Mode! Sie macht also aus meiner alten Kleidung Neues. Und das müssen nicht mal schnell bezahlte Näherinnen aus Bangladesch zusammenflicken. Sie macht das selber! Verrückt, oder?

Weil ich mal wissen wollte, ob sich der Spaß für Gerda eigentlich auch finanziell lohnt – und wieso sie der Meinung ist, dass ich mein Zeug lieber zu ihr schicken sollte als es in die nächstbeste Altkleidersammlung zu geben, habe ich ihr ein paar Fragen gestellt.

Sie hat mir bereitwillig geantwortet, ob sie mir nicht fairerweise etwas aus meinen alten Klamotten nähen und zurückschicken sollte – und ob sie wirklich alles weiterverwendet, was ihr zugeschickt wird.

Übrigens: Wenn ihr auch Klamotten für die Tetzlove Upcycling Mode spenden wollt, wendet euch direkt an Gerda: gerdatetzlaff@tetzlove.com

Meine Fragen an Gerda – von informativ bis unverschämt

Diese Handtaschen waren mal Jeans. Upcycling Mode von Gerda Tetzlove.

Upcycling Mode: Handtaschen aus alten Jeans, geschneidert von Gerda. Beide Fotos: zur Verfügung gestellt von Gerda.

Gerda, du arbeitest ausschließlich mit gebrauchten Kleidungsstücken, aus denen du Neues schneiderst. Wo bekommst du die Klamotten her?

Die Klamotten bekomme ich von Privatpersonen. Ich habe vor einiger Zeit einen Spendenaufruf gemacht und seit dem bekomme ich immer wieder neue Pakete. Ich habe aber auch vor, in der Zukunft mit Kleiderkammern zusammenzuarbeiten.

Benutzt du wirklich nur alte Materialien für deine Upcycling Mode?

Ich arbeite nicht ausschließlich mit gebrauchten Kleidungsstücken. Manchmal wird es auch mit einem neuen, gekauften Stoff kombiniert. Doch dabei versuche ich auf die Materialien zu achten.

Was kann ich tun, um dich zu unterstützen? Was kannst du besonders gut gebrauchen und was sollte ich lieber gleich in den Müll werfen?

In den Müll werfen sollte man gar keine Textilien. Wenn man sie in einen Altkleidercontainer wirft, werden sie wenigsten bis zu einem gewissen Teil recycelt. Wie kann man mich unterstützen… Natürlich, indem man meine Sachen kauft ;). Ich freue mich vor allem über Jeans und Herrenhemden. Daraus kann man einfach viel machen. T-Shirts, Pullis und ähnliche Kleidungsstücken sind einfach oft nicht mehr zu gebrauchen. Die bringe ich dann auch in den Altkleidercontainer.

Wie entscheidest du, was aus der alten Hose, der kaputten Jacke oder aus dem abgetragenen Hemd in seinem zweiten Leben werden soll?

Ich entscheide einfach aus dem Bauch heraus. Natürlich lasse ich mich auch von anderen Designern und Pinterest inspirieren. Aber im Großen und Ganzen gibt es bei mir keinen langen Designprozess.

Wenn ich dir schon meine aussortierten Kleider zuschicke – wäre es da nicht fair, du würdest mir etwas Selbstgenähtes zurückschicken oder mir einen Rabatt geben?

Klar wäre das fair. Die Frage wurde mir nur noch nicht gestellt. Aber gern! Wenn mir jemand drei alte Jeans schickt und sagt, mach mir eine Tasche daraus, mache ich das. Über Rabatt können wir in ein paar Jahren reden, wenn das Business läuft 😉

Was habe ich davon, wenn ich dir meine Kleider zur Verfügung stelle?

Ein gutes Gewissen, weil du etwas Sinnvolles mit deiner aussortierten Kleidung gemacht hast. Kleidercontainer senden vieles nach Afrika und die können die Berge an Textilien auch nicht mehr unter das Volk bringen.

Klingt zwar langweilig, aber eigentlich will ich nichts weiter, als dass ich meinen Lebensunterhalt damit verdienen kann.

Die Modebranche ist total unter Druck, die Leute wollen keine großen Summen für Klamotten ausgeben. Bist du nicht verrückt, dass du dich selbstständig machst unter diesen Umständen?

Finde ich nicht. Ich habe keine Lust für ein großes Unternehmen zu arbeiten, das wahrscheinlich in Asien produziert. Ich nähe einfach leidenschaftlich gern und als angestellte Designerin sitzt man nur noch am Computer. Und ich mache mich ja in Seehausen in der Altmark selbstständig. Hier bin ich ein Exot. Es ist schön, mit welchem Interesse die Leute auf mich zukommen. Ich nehme Auftragsarbeiten an und mache Nähkurse. Ich denke, dass ich der ländlichen Region damit ein wenig Farbe gebe 🙂

Schneiderst du alles selber oder lagerst du manche Aufgaben aus?

Bis jetzt mach ich alles selber. Wenn es irgendwann mal größer werden sollte, werde ich darüber nachdenken.

Kannst du davon leben?

Bis jetzt brauche ich noch nicht viel zum Leben. Ich habe noch keine Kinder und die Miete auf dem Land ist auch erschwinglich. Aber ich denke trotzdem über einen Nebenjob auf 450€-Basis nach, damit ich einfach abgesichert bin und mich nicht zu sehr unter Druck setze. 

Wo kann man deine Sachen eigentlich kaufen? Auf deiner Internetseite finde ich keine Möglichkeit…

Da ich erst ab dem 1.12. offiziell selbständig bin, habe ich noch keinen Onlineshop, aber der ist in Planung. Dazu nutze ich erst mal die Verkäuferplattform etsy.com. Das wird dann auch auf meiner Webseite verlinkt sein. In den nächsten 4 Wochen verkaufe ich meine Produkte aber erst mal in einer Ladenkooperative hier in Seehausen.

Wie legst du deine Preise fest?

Ich habe einen Vorgründerkurs belegt und gelernt, wie man seinen Stundensatz berechnet. Den nehme ich als Grundlage plus Materialien.

Wo willst du als Designerin mal hin? Was willst du erreichen?

Klingt zwar langweilig, aber eigentlich nichts weiter, als dass ich meinen Lebensunterhalt damit verdienen möchte.

Und hier noch mal für alle, die oben nicht aufgepasst haben, Gerdas E-Mail Adresse, damit ihr sie für eure Kleiderspende im Dienste der Upcycling Mode kontaktieren könnt: gerdatetzlaff@tetzlove.com

Und hier geht’s zu ihrer Website: tetzlove.com

Um das klar zu stellen: Das ist kein gesponserter Artikel von Gerda, da ich aber ihr Label erwähne, genauso wie Ebay Kleinanzeigen, Etsy und Kleiderkreisel, hier der Hinweis: Kann als Werbung verstanden werden.

Upcycling Mode: mein Interview mit Tetzlove-Designerin Gerda
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