Umwelt

Zero waste Shampoo – oder: Weshalb meine Friseurin mir nicht die Haare schneiden wollte

Wenn der Friseurbesuch zur Qual wird, weil man keine Chemie an die Haare lassen will. Ich nutze Zero waste Shampoo Bars.

Das Leben schreibe die schönsten Geschichten, sagt man. Manchmal schreibt es aber auch extrem nervige, die dann aber doch noch zu schönen Anekdoten werden können. Heute möchte ich euch von meinem Friseurbesuch vor ein paar Tagen erzählen.

Es geht in den folgenden Zeilen nicht nur um Haare, sondern um nichts weniger als Fairness, Ethik, Menschenwürde gar – und am Ende auch um handfeste Themen wie zero waste Shampoo, Inhaltsstoffe, ein plastikfreies Leben und Entscheidungen, die verteidigt werden wollen. Wow! Ich kann es selbst kaum erwarten, diesen Artikel zu lesen, sobald ich ihn geschrieben habe. Also los:

Endlich wieder Haare schneiden?

Ihr müsst wissen, ich gehe nur zwei-, allerhöchstens dreimal im Jahr zum Friseur. Viel zu teuer der Spaß, außerdem muss man sich natürlich die Zeit freischaufeln, dorthin zu gehen und überhaupt: Die Mähne soll ja auch ein bisschen wachsen dürfen in der Zwischenzeit. Nachdem ich also gute sechs Monate keine Schere an meine Haare gelassen hatte, wollte ich mal wieder für Form und Schnitt sorgen.

Ausgesucht hatte ich mir einen Friseursalon bei mir in der Nähe. Ein echtes Familienunternehmen, keine ausbeuterische Kette. Dafür ist der Spaß natürlich etwas teurer, aber ich unterstütze natürlich gerne individuelles Haarhandwerk.

Als ich den Salon betrat, war ich noch nicht sicher, ob viel ab sollte oder nur wenig. Aber das interessierte meine Friseurin sowieso nicht: Ob ich die Haare seidig glatt oder eher luftig wolle, fragte sie mich.

Kein zero waste Shampoo in diesem Salon

Ich dachte mir: Was willst du von mir? Und plädierte eher für luftig, weil meine Haare sowieso nicht seidig glatt sind. Da bin ich ganz Realistin. Meine „leidenschaftliche Friseurin“, wie sie sich selbst bezeichnet, wollte mir daraufhin eine dreistufige Wunderbehandlung für meine Haare verordnen, die den Preis für den ohnehin schon teuren Friseurbesuch nur – ja nur, es ist kaum zu glauben – um ein gutes Drittel angehoben hätte. Die Produkte hätte ich zu Hause alle drei Wochen weiter benutzen sollen.

Innerlich rang ich mit mir: Nachgeben, wie ich es bei Friseurbesuchen schon viel zu oft getan hatte? Oder stark bleiben und die Mogel- äh Pflegepackung für meine Haarpracht ausschlagen? „Nein!“, sagte ich. Und „Nein!“ wiederholte ich, als sie schnippisch mit den in Plastik verpackten Tuben voller Chemie ankam, um mir zu zeigen, dass ich ohne die Produkte nicht mehr leben könne. „Nein!“, wiederholte ich. Und der Sieg war tatsächlich mein!

Schnipp Schnapp, Haare ab

Aber es hätte mir klar sein müssen, dass die letzte, eigentlich entscheidende Schlacht, noch gar nicht geschlagen war. „Ohne die Behandlung werden deine Haare am Ende nicht anders aussehen als jetzt“, warnte sie mich und fing an, meine Haare trocken zu schneiden. Denn: Nur waschen bringe bei mir ja sowieso nichts. Und auf einmal ging alles ganz schnell: Schnipp schnapp, Spitzen einmal im Halbkreis ab, fertig. Alle Haare, die es noch nicht geschafft hatten, bis zum unteren Rand zu wachsen, wurden ignoriert.

Sie hatte recht: ich sah nicht anders aus als vorher. Ihr Kommentar nach der Turboschnippelei: Deine Haare brauchen keine Schere, sondern eine externe Behandlung. Da frage ich mich, ob das Chemiezeug vielleicht sogar meine sechs Monate lang kreuz und quer wachsenden Haare in Form geätzt hätte, damit sie wieder nach einer Frisur aussehen. Vorstellbar wäre es. Ich habe mal recherchiert, was sie mir da eigentlich auf den Kopf geschmiert hätte: Produkte aus System Professional Serie von Wella.

Krasserweise sind auf der Internetseite keine Inhaltsstoffe angegeben. Nicht exakt die von meiner Friseurin vorgestellten, aber ebenfalls Wella SP Produkte, habe ich auf der wunderbaren Seite Codecheck gefunden. Dort werden Inhaltsstoffe analysiert. Das Ergebnis: Wella nutzt auch bedenkliche Inhaltsstoffe und sogar hormonell wirksame, auf die man lieber verzichten sollte.

Aber das Innenleben des Shampoos war mir noch nicht einmal so wichtig wie die Verpackung. Plastik, Plastik und nochmal Plastik! Und das sollte ich auch noch für die Weiterbehandlung zu Hause kaufen? Leider passt das nicht mit meinem Plan zusammen, mein Badezimmer so plastikfrei wie möglich zu gestalten und auf zero waste Shampoo umzustellen.

Weshalb zero waste Shampoo nötig ist

Wusstet ihr, dass die Menschheit pro Minute ungefähr eine Lastwagenladung Plastikmüll produziert? Jeder Einzelne der rund 80 Millionen Deutschen trägt übrigens seinen Teil mit um die 37 Kilo Plastikmüll im Jahr dazu bei. Dass im Jahr 2050 wahrscheinlich ebenso viel Plastik wie Fische in den Weltmeeren schwimmen werden? Dass viele konventionelle Kosmetika nicht nur in Plastik verpackt sind, sondern sich in ihnen auch noch Mikroplastik befindet, also extrem winzige Plastikteile, die die Meere ebenfalls vermüllen und dazu führen, dass immer mehr Tiere zugrunde gehen?

Irgendwie finde ich das alles nicht so richtig cool. Deshalb habe ich vor einigen Monaten begonnen, verpackungsfreie Kosmetikprodukte ohne Mikroplastik zu kaufen. Ich benutze zero waste Shampoo Bars, also Shampoo am Stück, das nicht aus der Tube kommt – und ich probiere verschiedene Duschseifen aus, die meine Duschgels ersetzen sollen. Meine Haut pflege ich mit einem festen Stück Körperbutter. Ich bin immer noch auf der Suche nach den optimalen Produkten für mich, aber sorry, ihr Friseure da draußen: Plastiktuben voller Chemie kommen mir nicht mehr in die Dusche.

Eine schöngeredete Frisur

Der Preis, den ich für meine Konsequenz bezahlen musste, waren 35,50 für einen halbherzigen Trockenschnitt. Ich laufe nun ohne erkennbare Frisur durch die Welt. Aber das ist es mir wert. Ich bin stolz, weil ich vor der Friseurin nicht kapituliert habe. Und ich kann auch euch nur empfehlen, mehr Mut zu einem entschiedenen „Nein“ zu zeigen, wenn euch Überflüssiges aufgeschwatzt wird. Lasst uns gemeinsam strubbelig durch die Welt laufen, weil man sich geweigert hat, uns die Haare vernünftig zu schneiden! Ich nenne es eine Statement Frisur. Und wieder einmal lernen wir: Man kann sich praktisch alles schön reden.

ACHTUNG WERBUNG, weil ich gleich Shops beim Namen nennen werde:

Meine Online-Shops der Wahl für zero waste Shampoo und andere plastikfreie Kosmetikprodukte sind bisher übrigens der Lush Shop, Sauberkunst – und demnächst auch mal der Manna Seifen Shop. 

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

Zero waste Shampoo – oder: Weshalb meine Friseurin mir nicht die Haare schneiden wollte
5 (100%) 2 Stimmen

You Might Also Like

4 Comments

  • Reply
    Daniela
    2. Juli 2018 at 07:58

    Gut gemacht! Meine Friseurin hat mich verständnislos angeschaut als ich sie, bei ihrem Produkt das sie mir aufschwatzen wollte, nach Mikroplastik gefragt habe. Ich bin immer wieder erstaunt, dass es Leute gibt die davon noch nie gehört haben wollen.
    Immerhin haben sie ein bio-veganes Shampoo, drum bekomme ich auch Haarwäsche und Schnitt ^^

    Wenn du eine gute Haarseife/ Trockenshampoo gefunden hast, berichte mal. Meine Haare werden nach einer Zeit nicht mehr sauber und klätschig. Roggenmehl bringt es auch nicht. Jetzt hab ich wieder eins in Plastik 🙁

    • Reply
      evamell
      3. Juli 2018 at 08:57

      Danke für deinen Kommentar 🙂 Ich bin gerade am Rumprobieren und habe ein paar Produkte hier, die noch getestet werden wollen. Ich werde auf jeden Fall berichten, wenn ich etwas Grandioses entdeckt habe!

  • Reply
    Sue
    30. Juni 2018 at 18:04

    Respekt! Ich finde es auch krass wieviel Plastikmüll es gibt und versuche auch zur editieren. Übrigens: Bei Greendoor gibt’s auch schöne Pflegeprodukte. LG

    • Reply
      evamell
      3. Juli 2018 at 08:59

      Danke! Greendoor werde ich mir mal anschauen! Bei Manna habe ich jetzt auch bestellt und bin schon ganz gespannt!

Leave a Reply

*

Was sagst Du dazu?

Jetzt kommentieren!