Familie

Gluten ja oder nein? Was Natalie Stadelmann empfiehlt

Babybrei-Expertin Natalie Stadelmann über Gluten

Darf, soll, muss ich meinem Baby Gluten in den Brei mischen?

Ich war sehr verunsichert, als ich im Supermarkt die Wahl zwischen Baby-Haferflocken mit und ohne Gluten hatte, wie ihr hier noch einmal nachlesen könnt.

Am Ende habe ich „normale“ Haferflocken gekauft – also ohne den Hinweis „glutenfrei“. War das richtig? Ich habe Natalie Stadelmann gefragt, Autorin des Buchs „Babybrei“, das mir ein treuer Begleiter ist, seit mein Töchterchen mehr als nur Milch zu sich nimmt.

Ich selber stelle übrigens erst seit ein paar Jahren fest, dass viele Menschen das Klebereiweiß Gluten meiden und ihm allerlei Böses nachsagen – von der Verursachung von Verdauungsproblemen bis hin zum Auslösen von Demenz.

Gluten im Babybrei – was die Forschung sagt

Natalie Stadelmann hingegen sagt, dass man bei der Ernährung von Babys lange schon in Sachen Gluten sensibilisiert sei. Einfach weil manche Menschen allergisch darauf reagieren. „Früher war die allgemeine Meinung: Bei der Beikost für Babys muss alles weggelassen werden, was zu Allergien führen kann“, erklärt sie. Deshalb sei die Babynahrung lange Zeit sehr monoton gewesen.

„Seit 2009 gibt es eine Renaissance in der Beikosternährung“, sagt sie. Studien hätten ergeben, dass das Allergierisiko minimiert werde, wenn die Kinder bereits zwischen dem fünften und siebten Lebensmonat – idealerweise wenn sie noch gestillt werden – in Kontakt mit Nahrungsmitteln kommen, die Allergien auslösen könnten.

Sie macht mich aber auch auf diese von der EU geförderte Studie aufmerksam, bei der Wissenschaftler untersucht haben, ob Kinder seltener eine Zöliakie entwickeln, wenn sie schon früh glutenhaltige Nahrung bekommen: Prevent Celiac Disease.

Untersucht wurden rund 950 Kinder aus acht verschiedenen Ländern, die eine genetische Prädisposition hatten, eine Zöliakie zu entwickeln. Der ersten Gruppe Babys gaben die Wissenschaftler schon glutenhaltige Nahrung, als die Kinder zwischen vier und sechs Monaten alt waren, die andere Gruppe erhielt glutenfreie Nahrung.

Wenn Ernährung zur Religion wird

Das Ergebnis: Als die Kinder drei Jahre alt waren, hatten knapp sechs Prozent der ersten Gruppe und rund viereinhalb Prozent der zweiten Gruppe eine Zöliakie entwickelt. Laut den Wissenschaftlern ein statistisch nicht signifikanter Unterschied. Außerdem habe es keine Rolle gespielt, ob die Kinder gestillt wurden.

Scheint so, als habe weder das Vermeiden noch das gezielte Verabreichen glutenhaltiger Nahrung einen großen Einfluss auf die Entwicklung einer Unverträglichkeit.

Insgesamt plädiert Natalie Stadelmann dafür, sich nicht zu viele Sorgen zu machen, dass der Nachwuchs eine Glutenunverträglichkeit entwickeln könnte. „Es ist durchaus so, dass viele moderne Getreidezüchtungen glutenreicher sind und zu mehr gesundheitlichen Problemen führen können als die ursprünglichen Sorten. Aber das Thema wird vielleicht etwas zu sensibel gehandhabt. Manchmal scheint Ernährung fast zur Religion zu werden.“

Keine Sorge bei Hafer!

Also habe ich alles richtig gemacht, als ich die glutenhaltigen Haferflocken gekauft habe? „Beim Hafer“, beruhigt mich Natalie Stadelmann, „hätten Sie sich sowieso keine Gedanken machen müssen. Der enthält nämlich kaum Gluten.“ Dass es eine explizit glutenfreie Sorte gibt, liege daran, dass der gewöhnliche Hafer zum Beispiel in der Mühle mit dem Gluten anderer Getreidesorten verunreinigt werden könne.

Na dann. Viel Lärm um nichts und wieder was dazu gelernt! Danke, Natalie Stadelmann!

Und hier stelle ich euch noch Natalie Stadelmanns Buch zum Thema Allergien und Babynahrung vor: Gesunde Babykost. Reizarme Rezepte für sensible Babys.

Gluten ja oder nein? Was Natalie Stadelmann empfiehlt
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1 Comment

  • Reply
    Lia
    24. Juni 2018 at 13:17

    Cool! Danke für die Information. Und klar, Stadelmann ist ein Begriff.

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