Umwelt

Meine Mikroplastik Schreckmomente: Von Schuhsohlen bis Fahrradreifen

Die Sneaker des Todes verursachen sehr viel Mikroplastik im Jahr

Zero Waste und so, das wäre ja wunderbar, wenn ich so leben könnte. Aber davon bin ich persönlich leider noch ein paar Mülltonnenlängen entfernt. So plastikfrei leben wie es eben geht, das wäre ein echter Meilenstein für mich – und ich arbeite mich langsam aber sicher daran ab. Meine Motivation wird dabei leider immer mal wieder ordentlich abgerieben und zerbröselt in manchen traurigen Stunden zur Mikromotivation, während ich wieder mal ernüchtert feststelle, dass ich schon wieder irgendwo für noch mehr Mikroplastik gesorgt habe.

Zunächst galt mein Augenmerk ja diversen Duschgels, Peelings und Shampoos. Denn nicht nur sind die meisten Kosmetika in Plastik verpackt, es steckt oft sogar noch Mikroplastik darin. Die Medien waren ja eine ganze Weile lang voll von Meldungen rund um die nicht ganz optimalen Schönheitsoptimierer. Also habe ich auf Seifenstücke und festes Shampoo unter der Dusche umgestellt, wie euch bereits berichtet habe.

Ich wähnte mich schon halb erlöst von meinen Umweltsünden, als ich kürzlich eine Meldung las, die mir unmissverständlich zu verstehen gab, dass ich leider wohl doch nicht dazu beitrage, das Umweltparadies auf Erden wiederherzustellen: Forscher des Fraunhofer Instituts für Umwelt, Energie und Sicherheitstechnik haben nämlich nun genau analysiert, womit wir Deutschen wirklich für immer mehr Mikroplastik in der Umwelt sorgen. Hier lest ihr die gesamte Studie. Und hier fasse ich meine Top 3 Schreckmomente bei der Lektüre gerne für euch zusammen:

Mikroplastik Schreckmoment 1:

Meine geliebten und total abgelatschten Sneaker kommen direkt aus der Umwelthölle, wurden wahrscheinlich von Luzifer persönlich und unter schallendem Gelächter  produziert! Denn: Der Abrieb von Schuhsohlen gehört zu den Top 10 der größten Mikroplastik-Verursacher, genauer gesagt: er ist auf Platz 7. Im Durchschnitt verursacht jeder von uns 109 Gramm Mikroplastik pro Jahr auf diese Weise. Und es ist wahr: An meinen heiß und innig geliebten Sneakern fehlt bereits ein großes Stück Schuhsohle. Es ist abgetreten. Ich habe mir nie Gedanken drüber gemacht.

Für mich war die immer dünner werdende Sohle ein Zeichen für mein Umweltbewusstsein. Ist doch klar: Ich ziehe meine Schuhe immer weiter an, brauche nicht gleich neue, wenn die Sohle mal hier und da weniger wird, verschwende keine unnötigen Ressourcen und latsche deshalb mit gutem Gewissen vor mich hin. Und jetzt? Immer wenn ich seit der Lektüre der Studie mal unachtsam mit dem Schuh an einem Bordstein entlang schramme, will ich am liebsten in meinem eigenen Mikroplastik versinken, weil ich in solch einem Moment ja für einen besonders starken Abrieb gesorgt habe.

Gibt es eine Lösung für mich? Für euch? Für unsere Erde? Es gibt zum Beispiel Schuhe mit Ledersohlen. Die sind zwar nicht vegan, aber am Ende ist der Mikroplastikabrieb von Kunststoffsohlen die blödere Variante für Mensch und Tier. Daneben gibt es aber auch noch andere Materialien, die sich die Menschheit unter die Schuhe heftet. Lest zum Beispiel hier mal nach. Das Ganze ist jedenfalls eine Wissenschaft für sich, wie mir scheint. Ich werde mich noch vollends in das Thema einarbeiten müssen – sobald ich die intensive Trauerarbeit bezüglich meiner Todes-Sneaker hinter mir habe.

Mikroplastik Schreckmoment 2:

Wie bereits erwähnt: ich will Mikroplastik in Kosmetika vermeiden. Aber laut der Studie des Fraunhofer Instituts gelangen auf diese Weise pro Jahr und Kopf in Deutschland „bloß“ 19 Gramm Mikroplastik in die Umwelt. Die Bilanz auf dem Fahrrad sieht erschreckenderweise fast genauso aus: Durchschnittlich 15 Gramm Mikroplastik entsteht pro Jahr und Kopf in Deutschland aufgrund des Abriebs von Fahrradreifen. Von wegen umweltbewusstes Fortbewegungsmittel.

Von meinen Autoreifen, die mit über einem Kilogramm Mikroplastik pro Jahr auf Platz 1 der Umweltsünde-Statistik liegen, will ich hier mal gar nicht reden. Ich finde es weitaus erschütternder, dass mein harmlos aussehendes Fahrrad ebenfalls keine Eintrittskarte in den Garten Eden bekommen darf. Immerhin fahre ich nicht Skateboard. Denn damit würde sich meine Bilanz noch mehr verschlechtern: Knapp 18 Gramm Mikroplastik kämen damit pro Jahr dazu.

Mikroplastik Schreckmoment 3:

Der Abrieb von Besen und Kehrmaschinen liegt auf Platz 14 der Statistik und verursacht immerhin 38,3 Gramm Mikroplastik pro Jahr und Kopf in Deutschland. Schande über unser ordnungswütiges Volk. Wir kehren unsere Straßen, fegen unsere Abfälle fort, machen uns vor, wir hätten eine reine und weiße Weste in Umweltfragen – und dann so was! Besen im private Bereich und von Stadtreinigungen machen übrigens den allergrößten Teil dieses Punkts aus. Erst weit dahinter kommen Kehrmaschinen. Kein Wunder, dass der Besen traditionell auch das Symbol von Hexen ist. Wenn die Hexe dann auch noch in ihrer Freizeit Fahrradtouren macht und sich in ihren Sneakers am wohlsten fühlt, ist mein Bild des Grauens perfekt.

Meine persönliche Mikroplastik Boje

Ich möchte euch zum Schluss auf keinen Fall vorenthalten, dass auch Bojen ihren Teil zum Untergang der Welt beitragen. Der Abrieb von ihrer Oberfläche sorgt für die Entstehung von 0,01 Gramm Mikroplastik im Jahr – durchschnittlich verteilt auf einen jeden von uns. Bojen stehen damit auf dem letzten Platz der Statistik des Fraunhofer Instituts. Und ich würde mich gerne an einer von ihnen festklammern, wenn die Erde in Mikroplastik versinkt. Pro Kopf verursachen wir Deutschen im Jahr übrigens laut der Studie des Fraunhofer Instituts 4 Kilogramm Mikroplastik im Jahr. Weltweit liegt der Durchschnitt Studien zufolge bei 236–660 Gramm im Jahr.

Ich hoffe, die Boje, an der ich mich festklammern werde, liegt irgendwo weit weg von Deutschland. Doch so wie ich das Schicksal kenne, wird es meine Bitte zwar erhören, aber mich mitten in den Plastikmüll-Kontinent auf dem Meer schicken, der aus besonders viel Makroplastik, also großen Plastikteilen wie Tüten oder Plastikflaschen besteht. Dort werde ich mich von vergammelten Sandwiches in eingeschweißten Plastikverpackungen ernähren – muss aber zumindest keine Angst haben, von Meerestieren gefressen zu werden. Denn die sterben rund um den Kunststoffkontinent sowieso daran, dass sie zu viel Plastikmüll gefressen haben. Und wieder einmal werde ich, der Mensch, gewonnen haben. Aber was eigentlich?

Meine Mikroplastik Schreckmomente: Von Schuhsohlen bis Fahrradreifen
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