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#DubistDemokratie – oder: Mein Baby und der Holocaust

#DubistDemokratie: Auch mein Baby soll schon früh die Demokratie schätzen lernen.

#DubistDemokratie: Und dazu gehört auch mein Baby

Warum ich meiner neun Monate alten Tochter das handsignierte Buch eines Holocaustüberlebenden besorgt habe.

Ich schreibe ja gerne über so unfassbar wichtige Themen wie Peinlichkeiten beim Einkaufen von Babyzeug oder über Babykacke. Heute aber wird’s mal politisch. Zufällig bin ich über einen Blogeintrag von Tollabea – Leben als ewige Kinder gestolpert. Sie hat zu einer Blogparade über das Thema Demokratie aufgerufen. Da mache ich doch gerne mit. Hier lest ihr, warum ich meinem Baby das handsignierte Buch eines Holocaustüberlebenden besorgt habe. 

Mein Baby ahnt nichts vom Krieg

Mein Baby ist gerade mal neun Monate alt, aber ich habe schon ein Geschenk für sie zum zwölften oder dreizehnten Geburtstag oder so. Mal sehen, wann es am besten passt. Noch ist die Kleine herrlich unwissend, weiß nur, dass Mama und Papa immer für sie da sind – und ahnt weder, dass in Syrien der Krieg tobt, noch dass Deutschland vor einigen Jahrzehnten von einem unvorstellbar grausamen Diktator regiert wurde.

Aber die Zeit vergeht, sie versteht jeden Tag ein bisschen mehr von der Welt um sie herum. Und eines Tages wird sie begreifen, dass die Erde kein Paradies ist und der Mensch nicht nur gut. Wenn das passiert, wird es wahrscheinlich kaum noch Überlebende des Zweiten Weltkriegs geben, die aus erster Hand von den Schrecken jener Zeit berichten können.

Demokratie: Keine Selbstverständlichkeit 

Das Thema wird abstrakter werden, es wird wahrscheinlich schwieriger werden, jungen Menschen zu verdeutlichen, dass die Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist, dass es fatal ist, sein Leben von der Angst regieren zu lassen – der Angst vor Flüchtlingen, Migranten, vor dem Fremden ganz allgemein.

Ich habe deshalb für meine Tochter ein Exemplar von Shlomo Grabers Jugendbuch „Der Junge, der nicht hassen wollte“ im Regal stehen. Handsigniert für Nora. „Ein schöner Name, Nora bedeutet auf Hebräisch Licht“, hatte Shlomo Graber mir gesagt, als er das Buch für mein Baby signiert hat.

Der 90-Jährige hat Auschwitz und den Todesmarsch von Görlitz überlebt. Seine Mutter und seine Geschwister wurden vergast, er selbst verhungerte beinahe im Konzentrationslager und sah reihenweise Menschen um sich herum sterben. Er könnte zornig sein, Rachegelüste haben, Hass verspüren. Aber das tut er nicht.

Er hält sich an die Botschaft seiner Mutter, die sie ihm kurz vor ihrem Tod mit auf den Weg gegeben hat: „Lass keinen Hass in dein Herz.“ Und: „Liebe ist stärker als Hass.“ In seiner Biografie für Jugendliche schildert Shlomo Graber mitreißend, wie ihn diese Botschaft geprägt hat, welche Grausamkeiten er überlebt hat und wie er dennoch auf Hass verzichten konnte.

Nachdem das KZ Görlitz befreit wurde, trat er hinaus in die Freiheit und traf eine deutsche Mutter mit Baby in der Stadt. Sie hatte nichts. Er hatte Brot – und gab es ihr. Was für eine Geste!

Kein Hass im Herzen – gar nicht so leicht

Ich hoffe, dass meine Tochter einmal ihren kleinen oder großen Beitrag leisten wird, um die Demokratie zu schützen. Dass sie nicht auf Rechtspopulisten hereinfallen wird, die sich von irrationalen Ängsten nähren. Dass sie sich – wie wir alle es tun sollten – mindestens an den demokratischen Wahlen beteiligen wird. Dass sie weiß, es ist keine Selbstverständlichkeit, in einer offenen und toleranten Gesellschaft zu leben.

Ich hoffe, dass sie sich von Shlomo Grabers Botschaft direkt angesprochen fühlen wird – auch wenn er vielleicht nicht mehr am Leben sein wird, wenn sie sein Buch liest. Wobei: wer weiß!

Ich hoffe, dass ihr die persönliche Widmung helfen wird, sich mit diesem bemerkenswerten Mann und seiner zeitlosen Botschaft verbunden zu fühlen. Und bis ich ihr das Buch schenke, lese ich es wahrscheinlich selbst noch ein paar Mal durch. Denn auch ich kann seine Worte nicht oft genug hören. So wie wir alle. Ich muss ja zugeben: Es gelingt mir nicht immer, keinen Hass im Herzen zu haben. Aber ich versuche es. Denn Eva meint’s gut. Und ihr?

Hier geht’s zum Buch von Shlomo Graber.

#DubistDemokratie – oder: Mein Baby und der Holocaust
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